12.10.20

Biografie über Julius von Jan erschienen

Pfarrer Julius von Jan war von 1928 bis 1935 in Brettach Pfarrer. Nun ist eine Biografie erschienen über diesen mutigen Mann, der seinem Gewissen folgte. Das Buch ist im Pfarramt erhältlich und kostet 17,95€.

Der württembergische Pfarrer Julius von Jan (1897–1964) war ein Kind seiner Zeit – konservativ und national gesinnt. Es war nicht abzusehen, dass dieser stille und friedliebende Mann über sich hinauswachsen und den Nationalsozialisten die Stirn bieten würde. Schon bald nach deren Machtergreifung 1933 erkannte er: Das Hakenkreuz hat mit dem Kreuz der Bibel nichts gemeinsam.
Der Landpfarrer in Oberlenningen am Fuße der Schwäbischen Alb folgte seinem Gewissen und prangerte in seiner Predigt am Bußtag im November 1938 die vorherigen Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung in klaren Worten an. Zitat: „Die Leidenschaften sind entfesselt, die Gebote Gottes missachtet, Gotteshäuser, dieandern heilig waren, sind ungestraft niedergebrannt worden, das Eigentum der Fremden geraubt oder zerstört, Männer, die unserem deutschen Volk treu gedient haben und ihre Pflicht gewissenhaft erfüllt haben, wurden ins Konzentrationslager geworfen, bloß weil sie einer andern Rasse angehörten!“
Der Preis dafür war hoch: Misshandlung, Gefängnis, Landesverbot, wieder Gefängnis, später „Kanonenfutter“ an der Kriegsfront.
Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat Julius von Jan für seinen damaligenEinsatz für die bedrohte jüdische Bevölkerung posthum ausgezeichnet mit dem Ehrentitel eines „Gerechten unter den Völkern“. Im Oktober 2020 erhält sein Sohn Richard von Jan stellvertretend eine Medaille und eine Ehrenurkunde.
Der Autor Martin Stährmann schildert seine Motivation für das Schreiben dieser Biografie: „Aus meinem beruflichen Kontakt zur Evangelischen Julius-von-Jan-Kirchengemeinde Lenningen wuchs mein Interesse an Julius von Jan. Ich wollte mehr über diesen bescheidenen und mutigen Mann erfahren, der gegen den Strom schwamm und den Gehorsam gegen Gott über den Gehorsam gegen Hitler stellte. Mit dieser Biografie will ich die Erinnerung an ihn bewahren in einer Zeit, in der rechtes Gedankengut Aufwind hat. Wir sollten aus der Geschichte lernen für die Gegenwart und die Zukunft.“

In Brettach war Julius von Jan Pfarrer von 1928 bis 1935. Diese knapp sieben Jahre schilderte Julius von Jan im kurzen Lebensrückblick als eine Zeit „in einer sehr lebendigen Gemeinde, die auch im Dritten Reich sich standhaft zum Evangelium hielt, als ich bereits der Gestapo ein Dorn im Auge war.“
An anderer Stelle schrieb er, er sei in Brettach „als Pfarrer der Bekennenden Kirche wiederholt der Politischen Polizei vorgeführt worden (seit November 1933) wegen meines offenen Kampfes gegen die antichristliche Weltanschauung der NSDAP und gegen die Deutschen Christen sowie meines Eintretens für Männer der Bekennenden Kirche wie Pastor Niemöller und für Landesbischof Wurm. Ich wurde deshalb sowohl auf der Straße als in Versammlungen als am öffentlichen Anschlagbrett geschmäht, ohne deshalb meine Einstellung zu ändern.“ Großen Ärger bekam Julius von Jan mit seinem Landesbischof Wurm nach einer kritischen Predigt zur eingeführten Pflicht für Beamte und Soldaten, einen Diensteid auf Hitler zu leisten. In die Brettacher Zeit fiel die Geburt des Sohnes Richard von Jan im September 1934.

Der Autor

Martin Stährmann
Jahrgang 1965, lebt mit seiner Frau in Stuttgart.
Verwaltungswirt, Fundraiser, Journalist und Referent für Öffentlichkeitsarbeit.
Arbeitet bei der evangelischen Kirche.

Kontakt:
Martin Stährmann
Sindelbachstraße 45
70567 Stuttgart
Mail: martin.staehrmann@yahoo.com
Tel: 0152 / 5602 4094

Die Biografie

Julius von Jan - Ein aufrechter Pfarrer wider die Nationalsozialisten
Edition Evangelisches Gemeindeblatt, 2020,
192 Seiten (mit Fotos und Dokumenten);
mit einem Begleitwort von Landesbischof Frank Otfried July
ISBN-Nr. 978-3-945369-99-9
17,95 €